Trofaiach: ein wachgeküsster Ort

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Von der Ideenwerkstatt zum Innenstadtkümmerer

November 2018 – Trofaiach ist eine Kleinstadt im Bezirk Leoben und kämpft wie so viele Industrieregionen gegen Abwanderung und einen verödeten Ortskern – etwa 30 Leerstände zierten noch im Jahr 2015 die einst belebte Hauptstraße. Darum beauftragte Trofaiach das Team von nonconform, um im Rahmen einer Ideenwerkstatt gemeinsam ein Rezept zur Belebung des Ortskernes zu entwickeln. 

An die 1.000 BürgerInnen folgten der Einladung zur nonconform ideenwerkstatt und brachten sich ein. Von Anfang an war spürbar: Die Trofaiacher wollen etwas verändern. Es wurden Problemzonen der Innenstadt angesprochen, Wünsche und Ideen gesammelt und an möglichen Lösungen für die verwaiste Hauptstraße gearbeitet. Schnell wurde klar, dass das Ziel der Ortskernbelebung nicht durch schnelle Renovierungsmaßnahmen erreicht werden kann, sondern verschiedene kleinteilige Maßnahmen gesetzt werden müssen. 

Um dieses Maßnahmenbündel langfristig nicht aus den Augen zu verlieren und die im Masterplan vorgesehenen Projekte bedarfsorientiert umzusetzen, riet nonconform der Gemeinde, einen Zentrumskümmerer einzusetzen. Das Profil dieser neuen Position war allerdings unklar und musste erst entwickelt werden – aus diesem Grund entstand eine längerfristige Begleitung der Gemeinde Trofaiach durch das Beraterteam. 

Stefan Spindler, Prozessbegleiter von nonconform: „In der ersten Ideenwerkstatt 2015 wurde das Potential der Innenstadt erkannt und sie war wie eine Initialzündung für alle weiteren Schritte.“ 

Drei Jahre später kann eine positive Bilanz gezogen werden: Mithilfe des Kümmerers Erich Biberich, einigen freiwillig engagierten TrofaiacherInnen und dem regelmäßigem Coaching durch nonconform ist viel passiert. Beinahe die Hälfte aller Leerstände wurden mit neuen Nutzungen befüllt – der „Trofaiach Tandler“ und Spezialgeschäfte wie etwa für Sportbögen oder natürliches Hundefutter zogen ein. Auch das zuvor leerstehende Wirtshaus öffnete wieder seine Tore. Im „Trofaiachwirt“ gelangen wieder regionale Speisen auf den Teller. Eine neue Begegnungszone wurde von stingl-enge architekten gestaltet.

Das Rezept des Kümmeres hat sich bewährt – im Jahr 2018 wurde mit der Ortskernkonferenz in Trofaiach das erste Vernetzungstreffen für Kümmerer veranstaltet, im Jahr 2019 soll das Vernetzungstreffen in Zusammenarbeit mit dem Bundeskanzleramt, dem Österreichischen Städtebund und dem Land Steiermark auf eine überregionale Ebene gebracht werden (weitere Infos: www.ortskernkonferenz.at)

 

Die nächsten Schritte: Wohn- und Lebensraum schaffen

In der weiteren Zusammenarbeit sind bereits nächste große Projekte geplant: Gemeinsam mit privaten EigentümerInnen sollen Immobilien für zentrumsnahes Wohnen reaktiviert werden. Auf einer brachliegenden Bahntrasse soll außerdem neuer Wohn- und Lebensraum entstehen und so eine neue Verbindung zwischen Stadtteilen geschaffen werden. Auch hier kommt das Format der nonconform ideenwerkstatt zur Anwendung, eine eigene Kümmererin wird danach für die Entwicklung dieses Areals eingesetzt. 

Das Engagenement wurde bereits mit dem ÖGUT-Umweltpreis in der Kategorie Partizipation und zivilgesellschaftliches Engagement belohnt. „Trofaiach zeigt seit einigen Jahren vorbildhaft vor, wie gelebte Zentrumsstärkung geht und ist ein echter Pionierort dafür geworden. Es erfüllt uns mit großer Freude, die Gemeinde seit Jahren begleiten zu dürfen und so ein Preis motiviert zum innovativen Weitertun“, so Roland Gruber, Geschäftsführer von nonconform. 

 

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Blick von oben auf ein buntes Stadtfest.
Aus der Vogelperspektive blickt man auf die Begegnungszone in Trofaiach mit Streifenmuster.