Ein Dorf des Gemeinsinns: Das Wohnprojekt B.R.O.T. Pressbaum

pressetexte 

B.R.O.T. Pressbaum nutzt ein ca. 14.000 m² großes, nach Osten geneigtes Grundstück in der Peripherie der niederösterreichischen Gemeinde nahe Wien. Das neue Dorf besteht aus elf zwei- und dreigeschoßigen Baukörpern, die sich in zwei Reihen entlang der Hangneigung um einen zentralen Dorfplatz gruppieren. Der Weg zwischen den beiden Baureihen erschließt die Einzel- und Doppelhäuser, durch ins Gelände eingeschnittene Rampen gelingt dies barrierefrei. Etwa hundert Personen sind im Frühjahr 2018 nach Pressbaum gezogen: Jungfamilien, Paaren und Singles unterschiedlichen Alters bietet B.R.O.T. bedarfsgerechten und maßgeschneiderten Wohnraum. Der Baugruppe war es von Planungsbeginn an ein großes Anliegen, zehn Prozent der Gesamtwohnfläche für gemeinschaftliche Nutzung zu widmen. Architektonisch umgesetzt wurde der Wunsch im Gemeinschaftshaus, das einen Veranstaltungsraum, eine Gemeinschaftsküche, Aufenthaltsräume sowie eine Gästewohnung beherbergt. Einen eigenen Meditationsraum wollen die BewohnerInnen aus upgecycelten Baumaterialien noch selbst bauen. 

 

Gemeinschaftssinn als Planungsgrundlage

Die Wohnungstypen, -größen und -ausrichtungen entwickelten die Mitglieder der Baugruppe gemeinsam mit dem Planungsteam von nonconform. Intensiv diskutierten die BewohnerInnen die Blickbeziehungen sowie die Auswirkungen auf Privatheit und Gemeinschaftsflächen. Durch das Versetzen der Baukörper entstanden kleine Höfe, die sowohl den Blick auf den Dorfplatz, als auch in die reizvolle, das Wohnprojekt umgebende Landschaft freigeben. „Ich finde, dass die Zukunft im Teilen liegt – und das ist unserer Baugruppe gelungen: Wir haben beispielsweise einen großen, gemeinsamen Garten statt viele kleine, private Gärten. Wir teilen auch Gegenstände wie Staubsauger oder ähnliches, die nicht jeder ständig benötigt“, bringt Bewohner Thomas Wibmer-Waldhuberdie Grundzüge der B.R.O.T. Philosophie exemplarisch auf den Punkt.

 

Gemeinsam eine Wohnvision entwickeln – die Baugruppenwerkstatt 

Im Herbst 2014 traten die zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohner sowie das Architekturbüro nonconform in einen Prozess ein, um die gemeinschaftliche Wohn- und Lebensweise zu entwickeln. Das Planungsteam schöpfte dabei aus seinem mehr als zehnjährigen Erfahrungsschatz in der Gestaltung partizipativer Planungs- und Bauvorhaben. Ein selbst entwickeltes Methodenset, die „nonconform ideenwerkstatt“, ließ B.R.O.T. Pressbaum behutsam eine für alle zufriedenstellende Gestalt annehmen. nonconform begleitete die Baugruppe, aber auch deren einzelne Mitglieder bei wichtigen Prozessen der Entscheidungsfindung: vom Bebauungsplan über das Baumaterial bis hin zu Böden oder Türklinken. Mithilfe von Modellen, großen Luftbildern, Raumaufstellern und haptischen Materialien konnten sich die künftigen BewohnerInnen die Konsequenzen ihrer Entscheidungen vor Augen führen. Spezifische Moderationsformate erleichterten die Konsensfindung. Architekt Peter Nageler, Gründungspartner von nonconform, über die B.R.O.T. Baugruppenwerkstatt: „Die Ergebnisse der gemeinsamen Diskussionen verdichteten sich zu einem gesicherten Fundus von Wünschen, Kriterien, Abwägungen, Vor- und Nachteilen, auf den wir im Planungsprozess stets zurückgriffen. In dessen Verlauf verfeinerten sich die räumlichen Beziehungsmuster, auf persönlicher Ebene wurde aus dem gegenseitigen Lernen ein gemeinsames Entscheiden.“ Auch individuelle Bedürfnisse kamen nicht zu kurz. In Einzelgesprächen zur Wohnungsgestaltung wurden nicht nur Anpassungen der Grundrisse vorgenommen. Auch besondere Wünsche wie eine Schaukel im Innenraum, eine spezielle Badewanne oder das Anliegen einer leidenschaftlichen Fliesensammlerin, ihren Sammlerstücken einen Ehrenplatz in ihrem neuen Zuhause zu widmen, fanden Berücksichtigung.

 

Planung und Bau – die Umsetzung gemeinsamer Entscheidungen

Neben sozialen Aspekten standen auch bauökologische Kriterienim Fokus der Baugruppe. In den Workshops mit nonconform fanden die Mitglieder konsensuale Lösungen bei Themen wie Gemeinschaftsnutzung, Baukörpersituierung, individuellen Wohnraumbedürfnissen oder bei der Wahl der Baustoffe und ihrer Verarbeitung. Nach Abwägung mehrerer Alternativen entschieden sie sich für eine nachhaltige Holzleichtbauweise mit Zellulosedämmungund sichtbare Massivholzdecken. Lediglich das Gemeinschaftsgebäude am Dorfplatz wurde aufgrund der Hanglage als Stahlbetonbau ausgeführt.

 

Wohnraum für Menschen auf der Flucht

Anliegen der Baugruppe war es, eine Wohneinheit für eine Flüchtlingsfamiliefreizuhalten und zu finanzieren. Dank vielfältiger Unterstützung und einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne gelang das Vorhaben. „Eine geflüchtete Familie erhält nun die Möglichkeit, Teil unserer B.R.O.T. Gemeinschaft zu werden und in der neuen Heimat stabile Wurzeln zu schlagen“, erläutert Thomas Wibmer-Waldhuber. Weitere Informationen dazu: www.brot-pressbaum.at/wohnraum-fuer-fluechtlinge/

 

Information und Kennzahlen:

Bauherr und Bauträger: Verein Gemeinschaft B.R.O.T. – Pressbaum

Grundeigentümer: Pfarre Pressbaum

Grundstücksgröße: ca. 14.000 m2

Wohnnutzfläche: 11 Wohngebäude, davon ein Gemeinschaftshaus mit in Summe 3.046 m2WNF und 270 m2 Gemeinschaftsflächen

Heizwärmebedarf: HWB: 27,6 kWh/m2a (Referenzklima)

Hackgutkessel: 150 kW

PV- Anlage: 97 kWp

Thermische Sonnenkollektoren: 50 m2

Kontrollierte Wohnraumlüftungmit Enthalpie Wärmetauscher in den Wohneinheiten

Regenwassersammlung und Grauwassersystemfür die WC-Spülung

 

Baukosten:

Baukosten K1 bis K6  (K5 Einrichtung Gemeinschaftsräume – K6 Außenanlagen)  – 7,1 MIO EUR netto

Baukosten je m2WNF – 2.147,- EUR/m2

Nutzungsbeitrag je m2WNF – 13,- EUR/m2 –  inkl. Betriebskosten, Finanzierungskosten sowie verbrauchsbezogene Kosten wie Wärmeversorgung und Strom

 

Ausführung Wohnhäuser:

Wärmegedämmte Stahlbetonfundamentplatten – (ohne Unterkellerung)

Vorfabrizierter Holzleichtbau mit Zellulosedämmung – Holzfenstertüren – hinterlüftete Lärchenholzfassade

Geschoßdecken, Untersicht mit sichtbarem Kreuzlagenholz

Raumhöhe 270 cm, Maisonette OG 255 cm, Gemeinschaftsraum 300 cm

Innenausstattung: Holzparkettboden, Gipskartonbeplankte Zwischenwände, die eingesetzten Werkstoffe wurden hinsichtlich baubiologisch positiver Eigenschaften gemäß ÖkoBauKriterien(www.baubook.info)geprüft.

 

Mobilität:

E-Carsharing – Verein Fahrvergnügen – Parkplätze am Grundstück mit 2 Ladestationen ausgestattet

Öffentlicher Verkehr – ÖBB Haltestelle Dürrwien in 10 Minuten zu Fuß erreichbar

Fahrgemeinschaften – Mitfahrbörse über soziale Medien

Radfahren – viele BewohnerInnen kombinieren Rad und Bahn

 

Planer und ausführende Firmen:

nonconform zt gmbh – Architektur und partizipative Raumentwicklung

Lederergasse 23/8, 1080 Wien 

Team Partizipation und Planung: PL DI Marlies Wernahrt / DI Mag. art. Johanna Treberspurg / DI Johanna Steinhäusler / Mag. arch.  Peter Paller / DI Martin Puller / Architekt DI Peter Nageler

 

PhysCon ZT GmbH – Tragwerksplanung

Ludwig Kaiser Straße 2, 3021 Pressbaum / DI Christian Zöchner

 

S&P Climadesign GmbH – Haus- und Elektrotechnikplanung und Nahwärmesystem

Ossarner Ortsstraße 20, 3130 Herzogenburg / Dipl.-HTL-Ing. Johannes Stockinger, MSc, EUR ING

 

Schöberl & Pöll GmbH – Bauphsysik

Lassallestraße 2/6-8, 1020 Wien / DI Eva Doppelbauer

 

Bauunternehmen Ing. Harald Weissel Ges.m.b.H. – Teil- Generalunternehmer

Zentrale: 4020 Linz, Franckstraße 19

Filiale: 2320 Mannswörth, Mannswörther Str. 81 / DI Elsiabeth Pickart, BM DI Gernot Kolar

 

Weissenseer Holz-System-Bau GmbH

Weissensser Strasse 1, 9761 Greifenburg / Ing. ZM Christof Müller, DI HM Arnold Flaschbeger

 

KEM Montage GmbH – Haustechnik

Rheinboldtstraße 3, 2362 Biedermannsdorf  / DI Christoph Dorner, DI Krenn

 

HATEC Elektrotechnik GmbH

Texing Nr. 10, 3242 Texingtal / DI Wilhelm Haag

 

 

 

pressebilder 
Blick aus dem Inneren eines Wohnraums auf eine Terrasse mit Ausblick ins Gruene
Blick auf die Holzhäuser des Gemeinschaftsprojektes umgeben von Wiese.
Blick auf eine Terrasse eines Holzhauses, die mit einem Sonnensegel beschattet wird.
Eroeffnungsfeier der Bewohner in einem Raum mit bunten Girlanden und Buffet.
Menschen sitzen um ein großes Luftbild am Boden.
Menschen sitzen in einem Büro um einen Tisch herum.
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