Blasmusikkapelle zieht über den roten Teppich am Dorfplatz.

zeillern und nonconform

wo liegt zeillern eigentlich?

Zeillern ist eine kleine Marktgemeinde mit ca. 1.800 Einwohnern im niederösterreichischen Mostviertel. Die Gemeinde ist bekannt für ihr Schloss, wo ein Blasmusikausbildungszentrum untergebracht ist. Zeillern ist aber auch ein beliebter Ort für Hochzeiten. Denn der Kombination aus romantischer Kirche, schönem Schloss und Schlossinsel sowie guter Musik können Heiratswillige nur schwer widerstehen. Deshalb geben sich in Zeillern auch jedes Jahr durchschnittlich 53 Paare das Ja-Wort.

warum geht zeillern den nonconformen weg?

Die Zeillerner besitzen einen gewissen Weitblick und machen Dinge auch gerne einfach mal anders. So wurde ein leer stehender Bauernhof mitten im Zentrum mit dem Hintergrund erworben, hochwertige Wohnungen zu schaffen und einen Schritt gegen die Zersiedelung mit Einfamilienhäusern am Ortsrand zu setzen. Der Bauernhof wurde abgerissen und auf einem Teil des Grundstücks Wohnungen errichtet. Es ist aber noch ein kleines Grundstück freigeblieben. Der Dorferneuerungsverein mit seinem Obmann Wolfgang Strobl und der Gemeinderat mit dem damaligen Bürgermeister Jimmy Perger haben sich daraufhin gemeinsam für unsere nonconform ideenwerkstatt entschieden, um Zeillern endlich den lang ersehnten Dorfplatz zu schenken.

was kam dabei raus?

In der nonconform ideenwerkstatt haben alle Bürgerinnen und Bürger die Gelegenheit ihre Meinungen, Anregungen und Ideen einzubringen. Anschließend offenbart sich das gesamte Potenzial dieser ideenwerkstatt: Die Vorschläge der BürgerInnen in Zeillern zeigten den Wunsch die für Blasmusik, Hochzeiten und das gesellschaftliche Leben so beliebten Punkte – Kirche, Schloss und Schlossinsel – mehr miteinander zu verbinden und wortwörtlich den „roten Teppich“ aufzurollen. Dieser „rote Teppich“ wurde mit einem roten Belag eines regionalen Bauunternehmens  umgesetzt und führt nun von der Kirche über die 560 m2 große Dorfplatz-Fläche des abgerissenen Bauernhauses direkt auf das Schloss zu. Durch eine Bachüberplattung und Einbeziehung von weiteren Böschungs- sowie Restflächen vergrößerte sich das eigentliche Areal für den neuen Dorfplatz auf ca. 900 m2. 

Der rote Teppich des Dorfplatzes bei Nacht, beleuchtet von speziellen Lichtquellen.
Der rote Teppich strahlt nicht nur unter Tags eine warme Atmosphäre aus – auch am Abend und Nächtens ist er durch die Lichtplanung von Dieter Bartenbach in besonderes und dezentes Licht getaucht. © Kurt Hörbst

was war das besondere daran?

Obwohl das Projekt vergleichsweise klein war, hat es lokal, regional wie international großen Zuspruch gefunden und wurde mehrfach prämiert. Es ist auch in unserer Fachkollegenschaft ein überaus anerkanntes Ergebnis, das nur durch den Bürgerbeteiligungs-Prozess unserer nonconform ideenwerkstatt zu dem geworden ist, was es heute ist: Ein von den Leuten vor Ort getragenes Stück Baukultur. Denn eine lebhafte und inspirierende Bürgerbeteiligung zeigt Potenziale auf, an die wir alleine gar nicht gedacht hätten. 

und wie wurde das aufgenommen?

Der neue Dorfplatz ist bereits eröffnet und von den BewohnerInnen mit großer Begeisterung angenommen worden. Die Gemeinde besitzt jetzt einen prägnanten roten Verbindungsboulevard quer durch den ganzen Ort – von der Kirche über den Bach und den Dorfplatz bis zum Schloss. Der neue Dorfplatz ist nicht nur zu einem beliebten Treffpunkt von Hochzeitsgesellschaften, Blasmusikkapellen und Jakobswegwanderen geworden, sondern auch ein wichtiger Teil für das Alltagsleben im Ort. Die positive Stimmung hat sich schon sehr früh gezeigt: Bereits zwei Tage nachdem die roten Bodenplatten auf dem Platz verlegt wurden, öffneten die Verantwortlichen kurzfristig die Baustelle, um einen „Goldenen Hochzeitszug“ über den neuen roten Teppich des Dorfes schreiten zu lassen. Das war für uns der Beweis, dass die Lösung für den Dorfplatz goldrichtig war. Denn er ist schon genutzt worden, bevor er noch richtig fertig war. 

„Hätten wir nur gute Architektur eingekauft, wäre der Platz vielleicht genau so schön geworden. Aber er hätte nicht diese Akzeptanz."
Damaliger Bürgermeister Jimmy Perger im Standard Interview
Menschen sitzen auf designten Holzbänken am Dorfplatz.
Alle Möbel werden dem Namen gerecht: Sie sind mobil und wurden vom ortsansässigen Designer entworfen und vom lokalen Tischler gebaut. © Kurt Hörbst