Blick über den neu gepflasterten Hauptplatz. Streifen aus dunklen und hellen Pflastersteinen wechseln einander ab. Im Hintergrund sieht man eine Marienstatue, Wohn- und Gasthäuser. Straßenlaternen leuchten in der Abenddämmerung. Fotocredit: Paul Ott

maria saal - ein hauptplatz erzählt 3000 jahre geschichte

warum ging maria saal den weg mit nonconform?

Das Gebiet um Maria Saal in Kärnten ist historisch sehr bedeutsam. Unterschiedlichste Kulturen haben den Ort seit mehr als 3000 Jahren geprägt. Und diese Geschichte sollte auch in der Neugestaltung des Ortskerns eine wesentliche Rolle spielen. Der Ausgangspunkt war eine Zusammenarbeit mit dem Stadtmarketingexperten Thomas Egger von der Firma Egger & Partner. Gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern wurde der Verein „Wir Maria Saaler“ gegründet und die Basis für einen Architekturwettbewerb gelegt. Diesen österreichweiten Wettbewerb zur Neugestaltung des Ortskerns konnte nonconform 2002 in einer Arbeitsgemeinschaftmit Architekt Friedrich Mascher gewinnen. 

was wurde anders gemacht?

Unser Entwurf behandelte das Thema der „kultur.schichten“. Dabei haben wir die Vielschichtigkeit und historische Komplexität der Geschichte Maria Saals aufgegriffen und in die Gestaltung übersetzt. Wir arbeiteten dabei mit der archäologischen Idee der Stratigraphie, also dem Freilegen der unterschiedlichen Gesichtsepochen – jedoch mit dem Unterschied, dass wir diese um 90 Grad gedreht haben und somit begehbar machen. Der Hauptplatz ist als durchgängig geschichtete Fläche mit unterschiedlich gefärbten Steinen schwellenlos begehbar. Ein Raum für Menschen zum Aneignen und ohne Barrieren entstand. Ein Spaziergang über den Ortsplatz wird so zur geschichtlichen Entdeckungsreise. 

Konzeptskizze in feinen schwarzen Linien. Wir bedienten uns der Methode der Stratigraphie - einem Teilgebiet der Geowissenschaften, bei der Schichtungen untersucht und zeitlich zugeordnet werden.
Wir bedienten uns der Methode der Stratigraphie - einem Teilgebiet der Geowissenschaften, bei der Schichtungen untersucht und zeitlich zugeordnet werden.

wer hat mitgeredet?

Nach dem Wettbewerbsbeginn begann der eigentliche Bürgerbeteiligungsprozess. Mit speziellen Ideenwerkstätten und Veranstaltungen wurden alle Anrainer, die Nutzerinnen sowie die Vertretung aus Verwaltung und Politik im Vorfeld der Detailplanung intensiv einbezogen und ihre Vorstellungen zur Nutzung des Hauplatzes aktiv in das Projekt eingearbeitet. Die sogenannten Hauptplatzgespräche in Form von offenen Stammtischen wurden von uns als Architektinnen und Planern konzipiert, organisiert und auch moderiert. Alle Ergebnisse wurden unmittelbar in den nächsten Planungsschritt eingearbeitet. 

Die Wünsche, Ideen und Bedürfnisse von uns Maria Saalern konnten durch die Hauptplatzgespräche in der neuen Gestaltung des Ortsplatzes berücksichtigt werden. Wir haben ein Projekt bekommen, hinter dem die Bevölkerung steht.
ehem. Vizebürgermeister Ing. Mag. Kurt F. Scherwitzl

und was kam dabei heraus?

Der Hauptplatz strahlt durch die Neugestaltung eine Großzügigkeit und Würde inmitten des historischen Ortskerns aus. Er verbindet als weltliches Zentrum das geistliche Zentrum des Domes mit dem politischen Zentrum des Gemeindeamtes. Die rund 200.000 Besucherinnen und Touristen, die jährlich den Maria Saaler Dom besuchen, haben ein wunderbares Entree erhalten.

Blick über den neu gestalteten Hauptplatz. Streifen aus dunklen und hellen Pflastersteinen wechseln sich ab. Ein älterer Mann mit Stock spaziert über den Platz. Links blühen Blumen in einem Beet, im Hintergrund sieht man alte Wohnhäuser. Fotocredit: Paul
Der Platz fungiert als Durchraum, da durch die behindertengerechte Umgestaltung der Hauptzugang zur Kirche nunmehr über den Hauptplatz und nicht mehr über die steilen Steige am Berghang erfolgen wird. Fotocredit: Paul Ott

Die Parkplätze wurden an einzelnen Stellen konzentriert. Die Bepflanzung im Randbereich des Platzes und die, in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt erfolgte, Verlegung der Mariensäule lassen den Hauptplatz als freie Fläche wirken. Als Metapher der Kulturschichten reihen sich streng in Nord-Südrichtung verlaufende Streifen von hellen und dunklen Granitpflastersteinen aneinander und passen sich fließend den Höhenverläufen des Platzes an. Diese Linien bilden wie die Jahreslinien eines Baumstammes die geschichtlichen Ereignisse Maria Saals ab. 

Blick über den neu gestalteten Hauptplatz. Streifen aus dunklen und hellen Pflastersteinen wechseln einander ab. Die Sonne steht tief und wirft lange Schatten über den Platz. Im Hintergrund steht eine Marienstatue auf einer hohen Säule und eine Kirche.
Der Platz kann damit flexibel bespielt und für unterschiedliche Aktivitäten genutzt werden.
Mein Dank gebührt dem Architektenteam. Sie haben eine Vision - viel schöner als gedacht - realisiert. Der Platz ist einfach wunderbar gelungen, bei Tag und auch bei Nacht.
Dr. Günther Karner", Diakonie Kärnten
Blick über den Hauptplatz. Rechts und links reihen sich Biergärten und Essensstände einander an, dazwischen flanieren die Bürger und Bürgerinnen von Maria Saal. Sonnenschirme sorgen für Schatten und die Blasmusikkapelle sorgt für Unterhaltung.
Der Hauptplatz wurde nach weniger als einem Jahr Bauzeit eröffnet und mit Würstelbratereien und Biergärten erfolgreich auf seine Funktionalität geprüft.

Das Projekt wurde mit dem Österreichischen Pilgrampreis 2010, dem Landesbaupreis Kärnten 2008 und dem Staatspreis Consulting 2008 ausgezeichnet.