innsbruck

was ist innsbruck für eine stadt?

Innsbruck wächst und benötigt zusätzlichen Wohnraum. Dieser soll auch durch die Nachverdichtung des vorhandenen Stadtgebiets geschaffen werden, denn die Ausweitungsmöglichkeiten der Stadt sind durch die umliegenden Berge sehr begrenzt: am Stadtrand vom Karwendelgebirge im Norden und Vorbergen der alpinen Zentralkette im Süden. Deshalb soll am Eichhof, eine nördlich der Innenstadt gelegene Wohnanlage, zusätzlicher Wohnraum entstehen.

Zeitgleich stehen vorhandene Bausubstanzen im Stadtgebiet leer. So zum Beispiel auch die im Zentrum gelegene, historische Rotunde. Das beeindruckende Rundgebäude wurde Ende des 19. Jahrhunderts für die Unterbringung des Riesenrundgemäldes „Die Schlacht am Bergisel“ errichtet.

warum geht innsbruck gleich zweimal den nonconformen weg?

Wie geht man mit Leerständen an einer neuralgischen Stelle in der Stadt um? Wie kann eine bestehende Wohnanlage zur Zufriedenheit aktueller und zukünftiger MieterInnen nachverdichtet werden?

Notwendig sind individuelle Lösungen, die auf konkrete räumliche Besonderheiten und Nutzungsanforderungen zukunftsfähige Antworten geben. Sowohl für Nutzungsideen öffentlicher, leer stehender Gebäude, als auch zur Bewältigung der Anforderungen der Nachverdichtung ist die Einbeziehung der Bevölkerung in die planerische Aufgabe hilfreich und wichtig.

Folder zur Information und Aktivierung für die nonconform ideenwerkstatt am Eichhof
Alle BewohnerInnen werden detailliert informiert und eingeladen

warum braucht der eichhof eine ideenwerkstatt?

In einer nonconform ideenwerkstatt wurde der Frage nachgegangen, wie diese bestehende Wohnanlage in einer Südtiroler Siedlung so ausgebaut werden kann, dass sowohl aktuelle als auch zukünftige MieterInnen mit dem Ergebnis zufrieden sein werden.
Dabei war es wichtig eine individuelle Lösung zu finden, um auf konkrete räumliche Besonderheiten und Nutzungsanforderungen einzugehen. Das wurde in der nonconform ideenwerkstatt durch die Einbeziehung der MieterInnen in den Planungsprozess möglich.

wie lief die ideenwerkstatt ab?

Nach einer Informationsveranstaltung hatten die BewohnerInnen der Wohnanlage Eichhof einige Wochen Zeit, um ihre Vorschläge, Wünsche und Bedürfnisse einzureichen. Daraufhin wurden alle Interessierten und die Immobiliengesellschaft gemeinsam an einem Ort versammelt, um die Zukunft des Eichhofs zu besprechen. Die ArchitektInnen von nonconform stellten die verschiedenen baulichen Ansätzen mittels Modellen und 3D-Animationen vor. Durch die anschauliche Darstellung konnten die MieterInnen sofort sehen, welche verschiedenen Möglichkeiten zur Errichtung von zusätzlichem Wohnraum in ihrer Siedlung existieren. Im Dialog mit allen Anwesenden wurde schließlich eine gemeinschaftliche Empfehlung für die Zukunft der Siedlung formuliert.

Im Zuge der nonconform ideenwerkstatt wurde außerdem ein 10-köpfiger Mieterbeirat ins Leben gerufen, der die Interessen der MieterInnen auch in Zukunft vertreten soll. Der Beirat soll in den weiteren Projektverlauf des Eichhofs eingebunden sein.

Eine Frau skizziert einen Zubau, daneben ist Platz zur Aufzählung von Vor- und Nachteilen. Im Hintergrund wird ein digitales 3D-Modell an die Wand projiziert
Abendveranstaltung: Gemeinsames Erarbeiten der Vor- und Nachteile unterschiedlicher Varianten zur Wohnraumschaffung am Eichhof

was kam dabei raus?

Die Möglichkeit der Aufstockung vorhandener Gebäude wurde von den meisten BewohnerInnen aufgrund damit verbundener Nachteile abgelehnt. Favorisiert wurde ein Ersatzneubau in bestimmten Bereichen des Eichhofblocks. So soll qualitativ hochwertiger, moderner Wohnraum geschaffen werden und gleichzeitig die umliegenden Grünflächen erhalten bleiben. Die Errichtung des Neubaus erfolgt in einem schrittweisen Vorgehen über mehrere Jahre hinweg. Für die BewohnerInnen entsteht ein zeitgemäßes barrierefreies Wohnangebot mit neuem Heizsystem, guter Belichtung, Lift, Balkonen, etc.. Es gibt konkrete Umbauphasen und Umsiedlungszenarien, so dass die jetzigen MieterInnen auch von den neuen Wohnungen profitieren können.

Das Modell von Rotunde, ehemaliger Talstation und Brücke der Hungerburgbahn. Im Hintergrund unterhält sich eine Gruppe von Menschen.
Ideenfindung zur Nutzung des Rotundenareals in Innsbruck © Gerhard Berger

warum braucht die rotunde eine ideenwerkstatt?

Die denkmalgeschützte Rotunde sowie die ehemalige Talstation der Hungerburgbahn waren bereits seit einigen Jahren ungenutzt.
Im Rahmen der nonconform ideenwerkstatt wurden unter Einbeziehung der BürgerInnen neue Nutzungsideen für die öffentlichen, leerstehenden Gebäude erarbeitet.

wie wurden innsbruckerinnen und innsbrucker involviert?

In einem breit angelegten und zweistufig durchgeführten öffentlichen Ideenfindungsprozess wurden alle interessierten BürgerInnen miteinbezogen. Gemeinsam tüftelten sie viele verschiedene Nutzungsszenarien aus und einigten sich schließlich auf eine gemeinsame Lösung.
Das Ergebnis: Das gesamte Rotunden-Areal soll nun als Brutstätte für Kreativität und Innovation genutzt werden – mit dem Fokus auf die Jugend.

wie lief die ideenwerkstatt ab?

Tausend Ideen, von anonymen Einreichungen bis hin zu ausgeklügelten Präsentationen, wurden online, bei Abendveranstaltungen und in persönlichen Gesprächen gesammelt. Gemeinsam mit den Prozessmoderatoren von nonconform erarbeiteten die BürgerInnen im temporären Ideenbüro im Innsbrucker Stadtsäle anschließend Kriterien zur Beurteilung der Beiträge. Daraus wiederum ergaben sich mehrere unterschiedliche Szenarien, deren Vor- und Nachteile im konstruktiven Dialog mit der Bevölkerung diskutiert wurden. Nach und nach entstand so ein klares Bild für die neue Nutzung des Rotunden-Areals.

Einen Monat später fand noch eine zweite nonconform ideenwerkstatt statt. Dort wurde gemeinsam mit der Bevölkerung eine Vision für die künftige Nutzung des Innsbrucker Rotunden-Areals und die Einbindung des Gebäudes in die Stadt erarbeitet. nonconform konkretisierte die Ideen mit Hilfe einer Machbarkeitsanalyse und präsentierte das Ergebnis der interessierten Öffentlichkeit.

Besichtigung der Rotunde in Innsbruck.
Besichtigung der Rotunde in Innsbruck.

und was kam dabei raus?

Das Areal zwischen den Bauten verwandelt sich, durch eine bauliche Ausweitung des Platzes über die Ufermauer des Inn hinaus, in einen attraktiven, öffentlich nutzbaren Erholungs- und Freizeitort. Hier kann man direkt über dem Inn die Seele baumeln lassen und dem Alltagstrubel entfliehen. Auf der alten Hungerburgbahnbrücke, wo früher die Zahnradbahn über den Fluss hinwegschwebte, könnten zukünftig Menschen wandern bzw. sich auf Sitzgelegenheiten zwischen Wasser und Himmel die Zeit vertreiben.

Wie die kreative Nutzung der Rotunde im Detail aussehen soll, wird nun direkt vor Ort ausprobiert. Diese Testphase wird sich über einige Jahre ziehen und Grundlagen für die weitere inhaltliche Nutzung des Areals liefern. Nur auf diese Weise kann jene kreative Bandbreite erzielt werden, die von der Bevölkerung gewünscht wird. Das heißt: In den kommenden Jahren können Organisationen, Institutionen und Privatpersonen langfristige Nutzungsszenarien vorschlagen, die dann direkt vor Ort erprobt werden. Mit der Zeit zeigt sich, welche Nutzungen sich bewähren. Danach wird die Rotunde baulichen Veränderungen unterzogen, die mit der inhaltlichen Nutzung des Gebäudes übereinstimmen.

Der Innsbrucker SchülerInnenbeirat hat mit der Zwischennutzung einer "jungen Talstation" begonnen und betreut sowohl einen Co-Working Space als auch verschiedenste Veranstaltungen.

Wenn es um die nachhaltige Zukunft eines städtebaulich sehr wichtigen Areals geht und mit der nonconform ideenwerkstatt mehr als 1000 Ideen gesammelt und gleichzeitig auch die Auswahlkriterien gemeinsam mit den BürgerInnen erarbeitet wurden, dann kann nur mehr wenig schief gehen, was die Akzeptanz der Lösung betrifft.
Gerhard Fritz, Innsbruck / Tirol Stadtrat für Stadtentwicklung, Grünanlagen und Integration