Ein Haus für blinde und sehbeeinträchtigte Menschen im Alter

Warum entwirft nonconform ein Haus für Blinde in Wien?

Das bestehende Heim im 14. Wiener Bezirk ist hinsichtlich aktueller Auflagen zur Barrierefreiheit und zum Arbeitnehmerschutz nicht adaptierbar, weswegen die Bauherren, die Österreichische Blindenwohlfahrt und das Diakoniewerksich für einen Abbruch und Neubau in zwei Phase entschieden und nonconform zu einem Wettbewerb eingeladen haben. Unter Berücksichtigung der städteräumlichen Umgebung haben wir zwei Doppelbaukörper konzipiert. Wir konnten die Jury sowohl mit diesem städtebaulichen Ansatz als auch mit einer sehr klaren räumlichen inneren Organisation dieser Baukörper überzeugen.

Im Erdgeschoß verbindet ein großzügiges Foyer mit Café die beiden Doppelbaukörper, die in zwei Bauphasen errichtet werden.

Was ist das Besondere am Blindenwohnheim?

Der Neubau bietet die Chance, Pflege & Wohnen, von Grund auf neu zu konzipieren: Die Bewohner:innen werden ähnlich einer Wohngemeinschaft in Hausgemeinschaften von je 12 Personen wohnen, in denen sich das ganze Leben abspielt. Familienähnliche Alltagsstrukturen – es wird z.B. gemeinsam gekocht – bieten den Bewohner:innen zusätzlich zu unserer sehr klaren räumlichen Konzeption Orientierung und Lebensqualität.  

Vier in etwa gleich großen Kuben beherbergen geschoßweise die Wohngemeinschaften und schaffen damit einen kleinteiligen Rahmen für die Bewohner:innen. Diese haben Zugang zu geschützten Loggien, Terrassen sowie dem naturnah gestalteten Garten. Im Erdgeschoß ist der Empfangsraum für Besucher:innen, ein Tageszentrum für sehbeeinträchtigte Menschen, ein Andachtsraum sowie ein Café – es wird damit zu einem Ort der Begegnung, des Austauschs und des Wiedersehens.

Für das Freiraumkonzept wird der umliegende Baumbestand mitberücksichtigt. Das grüne Band, welches sich entlang der Bahnstrecke im Süden erstreckt, wird fortgeführt und in die beiden Höfe einbezogen. Alle Bereiche und Wege im Garten sind so konzipiert, dass sich die Bewohner:innen nach einer Phase des Erlernens möglichst frei und selbstbestimmt im Garten zurechtfinden können. Die Grundrisstypologie der um ein Atrium hin zu einem Gemeinschaftstraum mit Loggia situierten Zimmer einer Hausgemeinschaft bildet die Raumstruktur für das mehrgeschossige Gebäude.

Die Gemeinschaftsräume mit ihren vorgelagerten Loggien haben über alle Geschoße eine klare Blickbeziehung zu den duftenden, blühenden und mit kräftigen Bäumen gestalteten Gärten.

Das offene Foyer im Erdgeschoß mit Durchblick in den Garten verbindet die vier Häuser.
Fotocredit: nonconform

Was sagt der Auftraggeber über uns und unsere Arbeit?

nonconform spricht mit Mag. Daniel Dullnig vom Diakoniewerk:

Lieber Herr Dullnig, was erfüllt Sie mit Stolz bei dem Projekt Pflege & Wohnen?
„Wir haben eine einmalige Chance, blinden und schwer sehbeeinträchtigten Menschen ein bedürfnisgerechtes neues Zuhause zu gestalten, bei dem wir allen Herausforderungen gerecht werden.“

Drei Wörter, die für Sie die Zusammenarbeit mit uns beschreiben.
„Kreativ, modern, freundlich“

Ein Blick in die Zukunft – wie sieht das Projekt in 5 Jahren aus?
„Im neuen Haus herrscht reges Leben. Bewohner:innen und Mitarbeiter:innen genießen die Ruhe nach der langen Bauzeit und die neuen geräumigen Bewohnerzimmer.“

Zukünftig wird in der Hausgemeinschaft gekocht – welches Gericht wünschen Sie sich?
„Ich wünsche mir Leberkäse mit Erdäpfelpüree.“

In welches Zimmer würden Sie im Alter gerne ziehen wollen?
„In einen hellen, farbneutralen Raum, damit ich alle meine Bilder aufhängen kann!“

Wie ist der Stand des Projektes?

Die Rohbauarbeiten sind bereits abgeschlossen und der Ausbau ist im vollen Gange. Im Rahmen der Gleichenfeier konnten wir mit unseren Projektpartner:innen den gemeinsamen Erfolg feiern. Die Fertigstellung des Projektes ist für 2022 geplant.

Projektinformationen

Auftraggeber: ÖBW Österreichische Blindenwohlfahrt gemGmbH (Gesellschafter: Österreichische Blindenwohlfahrt & Evangelisches Diakoniewerk Gallneukirchen)

Planung: 2018 – 2019

Realisierung: 2020 – 2022

Phasen: Vorentwurf bis Einreichung, Künstlerische Oberleitung

BGF: 13.730 m2

Baukosten: ca. 17 Mio. €

„Wir haben eine einmalige Chance, blinden und schwer sehbeeinträchtigten Menschen ein bedürfnisgerechtes neues Zuhause zu gestalten, bei dem wir allen Herausforderungen gerecht werden.“

Mag. Daniel Dullnig

Geschäftsführung , Diakoniewerk

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