Warum ging Leoben ein zweites Mal den Weg mit nonconform?

In Leoben stand die Generalsanierung des Bildungszentrums in der Innenstadt an, das eine Volkschule sowie eine NMS beherbergt. Die Stadtgemeinde entschloss sich 2016 dazu, dies wie auch schon beim Bildungszentrum Pestalozzi zum Anlass zu nehmen, um das Raumgefüge und die Innenraumgestaltung für ein zeitgemäßes Lehren und Lernen neu zu denken. Um ein praxistaugliches Ergebnis zu erzielen, sollte die gesamte Schulgemeinschaft in einen Beteiligungsprozess eingebunden werden. Gemeinsam mit dem Schulraumexperten Michael Zinner von schulRAUMkultur führte nonconform dazu eine Ideenwerkstatt durch.

Wie lief der Beteiligungsprozess ab?

In der nonconform ideenwerkstatt konnten sich Schüler*innen, Lehrer*innen, Betreuungspersonal, Schulleitung und Hauspersonal sowie Eltern über 4 Tage aktiv in die Gestaltung des neuen Bildungszentrums Innenstadt einbringen.

Startschuss zur Ideenwerkstatt mit Schulleitung, Stadtgemeinde und Michael Zinner von schulRAUMkultur.

Wie soll künftig in Leoben gelehrt werden? Dieser Frage stellten sich zig Pädagog*innen.

Auch Reinigungskräfte wurden eingebunden, um den reibungslosen Ablauf für alle zu optimieren.

Wie wird in Leoben künftig gelernt? Dazu hatten viele größere und kleinere Schüler*innen viel zu sagen.

Wie sah das Ergebnis der Ideenwerkstatt aus?

In Form eines Organigramms zeigte das Ergebnis die wichtigsten Räume und Raumgruppen schematisch auf und setzte diese in Beziehung zueinander. So wurde in einem Bild gezeigt, wie der Organismus des Bildungszentrums tickt.

Wie lief der Architekturwettbewerb ab?

Anschließend wurde ein EU-weiter, zweistufiger Architekturwettbewerb ausgelobt. Aus den eingelangten Beiträgen wurden fünf Architektur-Teams zu einem Hearing eingeladen, wo nonconform die Ergebnisse der Ideenwerkstatt präsentierte sowie die Entwurfsaufgabe präzisierte. „Das Projekt lässt sich als eine gekonnte Intervention im Bestand bezeichnen, da es exakt an den strukturellen Schwachstellen eingreift und so – im besten Sinn von Tradition – die bestehende Schule positiv weiterschreibt.“, Zitat aus dem Juryprotokoll.

Johannes Wiesflecker leitete den Wettbewerb als Juryvorsitzender.

Was war das Besondere daran?

Im direkten Austausch zwischen Nutzer*innen, Gemeindevertretung, Jury und Architekturbüros wurde die Aufgabenstellung eineinhalb Tage lang für die Entwurfsphase geschärft. In Rundgängen bekamen die Planungsteams einen Einblick in den Schulalltag. Persönliche Gespräche zwischen Expert*innen fürs Lernen und Expert*innen fürs Planen führten dazu, dass die Wettbewerbsbeiträge bestens auf die Bedürfnisse abgestimmt werden konnten.

„Das Innovative an diesem Vorgehen ist über die gemeinsame Entwicklung des Projekts hinaus auch die Aufhebung der üblichen Trennung zwischen der Einbindung der Schulen und dem Architekturwettbewerb. Es kann also gelingen, die Ideen von Kooperation und Konkurrenz zu verbinden.“

Michael Zinner

Projektsteuerung, Forschungsplattform schulRAUMkultur, Schulbauexperte an der Kunstuniversität Linz

Wie ging es nach dem Wettbewerb weiter?

Das Architekturbüro Franz&Sue ging aus dem Wettbewerb als Sieger hervor. Maßgeschneiderte Workshops und Exkursionen lieferten weitere Inputs, um das Projekt von der Wettbewerbsphase in die Umsetzung zu begleiten. Im Oktober 2019 konnte das umfassend adaptierte Gebäude nach eineinhalbjähriger Bauzeit eröffnet werden. Damit wurde die kollektive Vorstellung eines Schulgebäudes in die Tat umgesetzt werden.

Wie sieht das Ergebnis aus?

Eine Schule mit Herz! Neben der Generalsanierung wurde dem denkmalgeschützten Gebäude im Hofbereich über die einzelnen Geschosse für die Volksschule und die Neue Mittelschule eine gemeinsame offene Mitte gegeben. Die Ebenen öffnen sich großzügig zum schuleigenen Freibereich. Durch die Absenkung des Niveaus im Hof und durch den Einbau eines Lifts wird das gesamte Gebäude barrierefrei erschlossen. 

„Das Siegerprojekt [für das Bildungszentrum Innenstadt] in Leoben zeigt, wie ein Architekturwettbewerb auch unter Einbindung aller Interessen baukulturelle Ergebnisse auf höchstem internationalem Niveau hervorbringt.“

Johannes Wiesflecker

Architekt aus Tirol und Juryvorsitzender

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